„Einland“ - was hält uns zusammen?

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Kategorie: Brandenburg
Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Oktober 2020 01:25
Geschrieben von LO Brandenburg
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03. Oktober 2020, ZDF 19.30 Uhr 

„Einland“ - was hält uns zusammen?

 

DDR

 

„Sie gaben uns Zettel zum Wählen, wir gaben die Waffen her.

Sie gaben uns ein Versprechen. Und wir gaben unser Gewehr.

Und wir hörten: Die es verstehen, die würden uns helfen nun.

Wir sollen an die Arbeit gehen, sie würden das Übrige tun.

Da ließ ich mich wieder bewegen und hielt, wie‘s verlangt wurd, still und dachte:

Das ist schön vom Regen, daß er aufwärts fließen will!

 

Während wir mit Stimmzetteln liefen, sperrten sie die Fabriken zu.

Wenn wir vor Stempelstellen schliefen hatten sie vor uns Ruh.

Wir hörten Sprüche wie diesen: Immer ruhig! Wartet doch nur!

Nach einer größeren Krise kommt eine größere Konjunktur!   

Und ich sagte meinen Kollegen: So spricht der Klassenfeind!

Wenn der von guter Zeit spricht, ist seine Zeit gemeint.

Der Regen kann nicht aufwärts, weil er‘s plötzlich gut mit uns meint.

Was er kann, das ist: er kann aufhör‘n, nämlich dann, wenn die Sonne scheint.

 

Eines Tages sah ich sie marschieren hinter neuen Fahnen her.

Und viele der Unsrigen sagten: es gibt keinen Klassenfeind mehr.

Da sah ich an ihrer Spitze Fressen, die kannte ich schon,

und hörte Stimmen brüllen in dem alten Feldwebelton.

Und still durch die Fahnen und Feste floß der Regen Nacht und Tag.

Und jeder konnte ihn spüren, der auf der Straße lag“

 (Auszug aus „Das Lied vom Klassenfeind“ B. Brecht)

 

Diese Zeilen wegen einer Einheitsdoku des BRD Staatsfernsehens? Warum? Dann schaut mal hin und hört gut zu.

Am 24.08. erscheinen Melanie Haack und Peter Kunz nebst Ton- und Bildtechniker vom ZDF auf unserer Montagsdemo, die gerade ihren 16. Jahrestag feiern muß, vor dem Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt, um für eine „Einheitssendung“ auf „Meinungssuche“ zu gehen. Längst geht es uns nicht „nur“ um Harz 4, Agenda 2010, sondern auch für Mitbestimmung, politische Rechte, Streik, um soziale Nöte in Stadt, Land und der Welt, der Kriegs- und Faschismusgefahr als Fluchtursache. Und genau darüber sprachen wir mit den Reportern, weil das die Gründe sind, warum wir eben nicht im vereinten Deutschland ankommen können, auch daß wir in der DDR versucht haben, ohne Ausbeutung unser Mensch sein zu leben. Die erste sozialistische Stadt und das EKO waren bestes Beispiel dafür. Niemand behauptet, daß wir keine Fehler machten, aber die machten wir. 30 Jahre später lebt ein Teil der halbierten Einwohnerzahl in einem Flächendenkmal unter Stahlkrise Bedingungen. Lethargie und Ausweglosigkeit treibt viele in die rechte Ecke - vom Wir zum Ich, auch hier.

Was haben wir darüber in dieser Sendung zu sehn bekommen? Kohls Lüge von „ wir haben die Mittel, das Geld, daß in 4/5 Jahren auch im Osten blühende Landschaften entstehen werden“. Kein anderer als SPD Altkanzler Schröder spricht in der Doku doch darüber, daß er vor den hiesigen Stahlwerker Anfang 90 eine Rede halten sollte, ihnen Respekt zollte, daß sie im falschen System gute Arbeit geleistet, gut gelebt und ihre Kinder zu ordentlichen Menschen erzogen haben. Darauf bemerkte Peter Kunz „ es gibt in Eisenhüttenstadt heute noch Leute, nicht viele, die jeden Montag gegen Harz 4 und Agenda 2010 demonstrieren“ worauf Schröder antwortete „na gut, ich kann verstehen, Harz 4 ist etwas, was die Leute belastet hat, wer aber übersieht (was auch einige aus der SPD tun), daß Deutschlands wirtschaftliche Kraft jetzt mit der Agenda Reform zusammenhängt, der hat auch nichts kapiert.“

Hat eine Weile gedauert, eh mir das durch Mark und Knochen gekrochen war. Da hat der ehemalige höchste Repräsentant der BRD und der Steigbügelhalter Partei SPD die Stirn, uns Ostmenschen der weltpolitischen Dummheit zu bezichtigen? Weil wir vielleicht nicht vor dem Wohl der deutschen Wirtschaft auf die Knie fallen, nicht für sie uns wie ein Scheuertuch auswringen lassen und dem kapitalistischen Machtinstrument Parlamentarismus, den sie uns als Werte Demokratie andrehen wollen, die erhobene Faust entgegen halten?

Wenn auch Bildung in der DDR kostenlos war, umsonst war sie nicht und 1000 verschiedene Zahnbürsten und Reisen, die wir nicht finanzieren können, 1% der weltweiten Analphabeten hierzulande, wiegen nicht auf, was Krause und die Misere dem grinsenden Westen als Kriegsbeute in den Rachen warf und uns, über Nacht vom Eigentümer zum Bettelmann schrumpfen ließ. Die Grenze aufgemacht, um großdeutsche Kriegsgelüste zu befriedigen.

Heute gehen Kinder der Umwelt wegen auf die Straße, begreifen ganz langsam, wer und aus welchem Interesse dafür verantwortlich; Kriege die größte Umweltkatastrophe und wenn sie mal ganz genau hinsehen, wessen sich der immer reicher Werdende für seinen Machterhalt bedient, im Geschichtsunterricht mal hinterfragt, wie die beiden Weltkriege möglich waren, mal hin-hört, wo und wie die braune Pest für wem schon wieder unterwegs ist, dann haben auch wir DDR Mütter, Väter, Großeltern unsere Hausaufgaben, nicht im Homeoffice, sondern auf der Straße gemacht.

Die ZDF Crew meinte von sich, daß sie doch die „Guten“ auf dem Medienmarkt sind. Das Ergebnis dieses „Einland“ zeigt lediglich, in wessen Auftrag die Macher ihre Haut zu Markte tragen.

Noch verwundert, daß mir Brechts „Lied vom Klassenfeind“ in der Birne herumgeistert? Übrings, falls wer sich den Beitrag ansieht, die beiden im Rollstuhl, daß sind wir und über dieses Thema im heute und hier könnten Bände geschrieben werden. Alle, die ihr euch hier nicht zu Hause fühlen, geht raus, auch wenn‘s mit Mundschutz sein muß, die Schnauze lassen wir uns nicht verbieten, denn Kohl ist tot, Schröder sieht auch schon grau aus und wir haben nichts mehr zu verlieren, aber eine Welt zu gewinnen! Vergeßt nicht, der Proletarier hat kein Vaterland, seine Unterdrücker sitzen im eigenen Land.

Lernen, lernen und noch mal lernen (Lenin)!

 

Da mag der Anstreicher streichen, den Riß streicht er nicht zu

Einer bleibt und einer muß weichen, entweder ich oder du.

Und was immer ich auch noch lerne, das bleibt das Einmaleins:

Nicht‘s hab ich jemals gemeinsam mit der Sache des Klassenfeinds.

Das Wort wird nicht gefunden, das uns beide jemals vereint!

Der Regen fließt von oben nach unten und Klassenfeind bleibt Klassenfeind!

 

 

200 Jahre Karl Marx 

Wir haben was zu bereden, ich bring Friedrich, Wilhelm, August, Klara, Rosa, Karl, Ernst, Walter... und das Küken Cornelia mit

 Cornelia Noack